Gleich nach der Frage nach dem Outfit kommt fast immer die zweite: «Und wie sollen wir uns dann überhaupt verhalten? Ich weiss ja gar nicht, wohin mit mir vor der Kamera.» Viele fühlen sich schon beim Gedanken daran steif und unbeholfen – die Hände wirken plötzlich zu gross, der Blick weiss nicht, wohin, und das Lächeln fühlt sich aufgesetzt an.
Falls es euch auch so geht: Das ist völlig normal, und es ist überhaupt kein Problem. Ihr seid keine Models, und das sollt ihr auch nicht sein. Das Wichtigste vorweg: Ihr müsst nicht wissen, wie man posiert – das ist mein Job. Trotzdem hilft es, vorher zu verstehen, was euch erwartet. Deshalb hier ein Blick hinter die Kulissen.
Sich unwohl zu fühlen ist normal
Fast alle sind zu Beginn eines Shootings ein bisschen nervös – auch Paare, die im Alltag kein Problem mit Fotos haben. Das liegt nicht an euch, sondern an der Situation: Man steht da, jemand richtet eine Kamera auf einen, und plötzlich ist jede Bewegung bewusst. Genau dieses Bewusstsein macht steif.
Die gute Nachricht: Das legt sich fast immer nach wenigen Minuten. Ihr müsst diese erste Unsicherheit nicht überspielen – sie gehört dazu und verschwindet von selbst, sobald ihr merkt, dass euch niemand prüft.
Ihr müsst nicht posen – ich führe euch
Der grösste Irrtum ist die Vorstellung, man müsse vor der Kamera eine gute Figur „machen”. Müsst ihr nicht. Ich arbeite nicht mit starren Posen, sondern mit kleinen Anweisungen und Aufgaben, immer nur eine auf einmal: geht ein paar Schritte, dreht euch zueinander, legt die Hand hierhin. Ihr reagiert einfach – und dazwischen entstehen die Bilder.
Ihr müsst also nichts vorbereiten und nichts können. Ich sage euch unterwegs, was zu tun ist, und korrigiere Kleinigkeiten, ohne dass ihr darüber nachdenken müsst.
Das Häufigste: Wohin mit den Händen?
Kein Thema kommt öfter als die Hände. Sobald man nicht weiss, was man mit ihnen tun soll, fühlen sie sich riesig an. Der Trick ist einfach: Gebt den Händen eine Aufgabe. Dann sind sie beschäftigt, und ihr müsst nicht mehr über sie nachdenken. Ein paar Beispiele:
- Haltet euch an den Händen oder verschränkt die Finger ineinander.
- Ein Arm um die Taille, eine Hand auf der Schulter oder an der Brust des anderen.
- Eine Hand locker in der Hosentasche, Daumen aussen.
- Streicht euch gegenseitig eine Haarsträhne aus dem Gesicht.
- Haltet etwas – einen Strauss auf Hüfthöhe, eine Jacke über der Schulter, die Hand am Revers.
Wichtig ist weniger die genaue Position als die Bewegung: Eine Hand, die gerade etwas tut, sieht immer natürlicher aus als eine, die bewusst irgendwo „abgelegt” wurde.
In die Kamera schauen – oder lieber nicht?
Auch das fragen sich viele: Muss ich jetzt die ganze Zeit ins Objektiv starren? Nein. Beides funktioniert, und oft sind die schöneren Bilder die, in denen ihr gar nicht in die Kamera schaut. Der Blick zueinander, auf einen gemeinsamen Punkt oder in die Ferne wirkt meist entspannter und ehrlicher als der direkte Blick ins Objektiv.
Für das eine oder andere „klassische” Bild, in dem ihr in die Kamera schaut, sage ich euch kurz Bescheid. Den Rest der Zeit dürft ihr euch gegenseitig anschauen und die Kamera einfach vergessen.
Nähe entsteht in der Bewegung
Ein paar wenige Dinge funktionieren fast immer, und die meisten haben mit Nähe und Bewegung zu tun statt mit Stillstehen:
- Stirn an Stirn, Augen zu, einfach einen Moment lang so bleiben. Diese kleine Berührung erzeugt sofort Ruhe und Vertrautheit.
- Ganz langsam näher kommen – ohne gleich zu küssen. Gerade in diesem Zögern, in der Vorfreude, liegen oft die schönsten Aufnahmen.
- Sich etwas ins Ohr flüstern, am besten etwas, das euch zum Lachen bringt. Das echte Lächeln danach kann man nicht spielen.
- Zusammen gehen, Hand in Hand, im eigenen Tempo. Beim Gehen lockern sich die Schultern von selbst.
Ihr merkt: Das sind keine Posen, sondern kleine Handlungen. Genau darum geht es – aus dem Tun entsteht das Bild, nicht aus dem Stillhalten.
Wie ich starte: erst aus der Distanz
Noch ein Blick auf mein Vorgehen, damit ihr wisst, was euch erwartet. Ich starte bewusst nicht mit der Kamera direkt vor eurer Nase. Meistens beginne ich mit einem längeren Objektiv – zum Beispiel einem 85 mm – und aus einiger Entfernung. Ihr geht einfach, redet miteinander, seid für euch. Der Abstand nimmt den Druck: Da ist kein Objektiv im Gesicht, und ihr werdet ganz von allein wärmer und lockerer.
Und je mehr ihr euch öffnet, desto näher komme ich – mit weiteren Brennweiten und kleineren Abständen. So baut sich ein Shooting von locker und distanziert hin zu nah und intim auf. Das ist kein Zufall, sondern Absicht: Die entspanntesten Bilder entstehen selten in den ersten zwei Minuten, sondern dann, wenn ihr die Kamera schon fast vergessen habt.
Der beste Trick: einmal vorher üben
Wenn ihr euch für den Hochzeitstag wappnen wollt, gibt es einen Weg, der zuverlässiger wirkt als jeder Tipp: einmal vorher üben. Ein Verlobungsshooting nimmt genau die Unsicherheit, um die es hier geht. Ihr lernt, wie es sich anfühlt, ich lerne, wie ihr als Paar tickt – und am Hochzeitstag seid ihr dann längst eingespielt, statt bei null anzufangen.
Und falls ihr beim Outfit auch noch unsicher seid, hilft euch vielleicht der Beitrag Was soll ich zum Fotoshooting anziehen? weiter.
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Damit ihr das nicht alles behalten müsst, gibt es die wichtigsten Punkte auf einer Seite – die Sache mit den Händen, dem Blick und ein paar kleine Aufgaben. Zum Ausdrucken oder aufs Handy, für den Weg zum Shooting.
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Am Ende ist die wichtigste Botschaft die einfachste: Ihr müsst euch nicht vorbereiten und nichts „richtig” machen. Bringt keine Erwartung an euch selbst mit, sondern nur euch beide. Das Führen, das Timing und die Technik sind meine Aufgabe – ihr dürft euch fallen lassen und dazwischen sogar Spass haben.
Wenn ihr mögt, gehen wir das alles vorher in Ruhe durch. Meldet euch einfach über die Kontakt-Seite, dann nehme ich euch die Nervosität schon vor dem ersten Bild.