Vom Hochzeitstag zum Babybauch – zwei Menschen, die ich fast mein ganzes Leben kenne
Manche Shootings fühlen sich nicht wie Arbeit an.
Dani und Angelina kenne ich, seit ich denken kann. Vor einigen Jahren durfte ich bereits ihre Hochzeit fotografieren – einen dieser Tage, die man nicht vergisst, weil man nicht nur mit der Kamera dabei ist, sondern auch mit dem Herzen.
Nun erwarten die beiden ihr zweites Kind und wollten diese besondere Zeit festhalten, bevor sie vorübergeht. Also trafen wir uns an einem warmen Abend Ende Juli für ein kurzes Shooting an zwei Orten, die kaum unterschiedlicher sein könnten und dennoch perfekt zusammenpassen.
Kloster Einsiedeln – 1000 Jahre Geschichte als Kulisse
Unser erster Halt war der Klosterplatz in Einsiedeln.
Es gibt in der Schweiz nur wenige Orte, die eine solche unmittelbare Wirkung entfalten. Die Geschichte des Klosters reicht bis ins Jahr 934 zurück. Benannt wurde es nach dem heiligen Meinrad, einem Einsiedler, der im 9. Jahrhundert im damals noch «finsteren Wald» lebte.
Die barocke Klosteranlage, wie sie heute vor einem steht, entstand ab 1703. Die doppeltürmige Klosterkirche wurde zwischen 1719 und 1735 nach den Plänen von Bruder Caspar Moosbrugger erbaut und gilt als eine der bedeutendsten Barockkirchen der Schweiz.
In der Gnadenkapelle befindet sich die Schwarze Madonna. Sie ist einer der Gründe, weshalb Einsiedeln bis heute zu den bedeutendsten Marienwallfahrtsorten Europas zählt und jährlich Hunderttausende Pilger und Besucher anzieht. Noch heute lebt im Kloster eine Gemeinschaft von Benediktinermönchen.
Fotografisch bedeutet das: eine Kulisse, mit der man nicht konkurrieren kann – und auch nicht konkurrieren muss. Die Weite des Platzes, die beiden Türme und die grossen, ruhigen Flächen geben den Bildern einen natürlichen Rahmen. Man stellt zwei Menschen hinein, und der Ort erzählt den Rest.




Ein Warm-up bei viel zu hartem Licht
Als wir begannen, stand die Sonne noch hoch und war brutal stark. Kein weiches Abendlicht, sondern harte Kanten und tiefe Schatten – genau die Art von Licht, bei der man als Fotograf normalerweise zuerst nach einem schattigen Platz sucht.
Wir liessen uns davon nicht beirren und starteten mit einem kurzen Warm-up: ein wenig gehen, miteinander reden und vor der Kamera ankommen.
Dann zeigte sich, was das Licht beinahe zur Nebensache machte: Dani und Angelina sind nicht nur unglaublich fotogen, sondern vor allem vollkommen entspannt miteinander. Dadurch entstanden selbst unter schwierigen Bedingungen wunderschöne Bilder.
Nähe lässt sich nicht ausleuchten. Entweder sie ist da oder sie ist es nicht.
Anschliessend erkundeten wir in Ruhe das Klosterareal. Wir nutzten Durchgänge, Treppen, Mauern und das Licht, das dazwischen hindurchfiel – und schufen dabei eine ganze Serie sehr unterschiedlicher Bilder.




Sihlsee – für mich ein echter Geheimtipp
Danach ging es weiter zum Sihlsee, nur wenige Minuten vom Kloster entfernt.
Mit einer Fläche von rund 10,7 Quadratkilometern ist der Sihlsee der grösste Stausee der Schweiz. Was viele nicht wissen: Er ist nicht natürlichen Ursprungs. Zwischen 1932 und 1937 wurde ein Teil des Hochtals von Einsiedeln geflutet, um das Etzelwerk mit Wasser zu versorgen – ein Kraftwerk, das bis heute Bahnstrom für die SBB produziert.
Unter der Wasseroberfläche liegt damit ein ganzes Stück ehemaliges Talleben.
Für mich ist der Sihlsee einer der schönsten und noch immer unterschätzten Orte der Schweiz. Berge am Horizont, viel Himmel, viel Wasser – und deutlich weniger Menschen als an den bekannten Postkartenseen.
Wir hielten an einem kleinen Strandabschnitt. Im Wasser lag eine Holzplattform, daneben ein Surfbrett. Inzwischen stand die Sonne tief und das Licht war genau richtig: warm, weich und ruhig.
Ein perfekter Sommerabend, wie man ihn für ein Shooting kaum besser hätte bestellen können.
Die Bilder, die dort entstanden sind, gehören für mich zu den schönsten, die ich bisher gemacht habe. Und das sage ich nicht leichtfertig.









Rein ins Wasser – und barfuss über Glasscherben
Dann hatte Dani die Idee, ins Wasser zu gehen.
Eine gute Idee. Nur konnte ich als Fotograf schlecht am Ufer stehen bleiben. Also ging ich mit hinein.
Was ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste: Der Boden an dieser Stelle war mit Glasscherben übersät. Gefühlt trat ich auf zwanzig davon – mit entsprechend aufgeschnittenen Füssen.
Die Bilder waren es wert. Jede einzelne Scherbe.
Als gut gemeinter Hinweis für alle, die den Sihlsee ebenfalls vom Wasser aus geniessen möchten: Tragt Badeschuhe. Ernsthaft.





Danke, ihr zwei
Ich mag Dani und Angelina als Menschen. Und ich mag sie – ganz nüchtern betrachtet – auch als Fotomodelle. Beides trifft nur selten so perfekt zusammen.
Sie sind einfach durch und durch gute Menschen. Für ihr Baby und die kommende Zeit wünsche ich ihnen von Herzen alles Gute: viel Liebe, viel Vertrauen, möglichst viel Schlaf und genau diese Leichtigkeit, die auf den Bildern dieses Abends zu sehen ist.
Danke, dass ich erneut dabei sein durfte.
Selbst ein Shooting am Sihlsee oder in Einsiedeln?
Ob Babybauch-Shooting, Paarshooting oder einfach ein gemeinsamer Abend, an dem ihr festhaltet, wie sich euer Leben gerade anfühlt: Die Kombination aus Kloster Einsiedeln und Sihlsee bietet dafür eine aussergewöhnliche Kulisse.
Auf der einen Seite Architektur mit Geschichte und Gewicht, auf der anderen Wasser, Berge und warmes Abendlicht.
Könnt ihr euch etwas Ähnliches vorstellen? Dann schaut euch mein Paarshooting an oder schreibt mir ganz unverbindlich.